Der Start in den Kindergarten ist eine große Veränderung – nicht nur für dein Kind, sondern für die ganze Familie. Wie könnt ihr euch vorbereiten, damit dieser Schritt ins Unbekannte möglichst stressfrei gelingt?
Der Start eines Kindes in den Kindergarten ist die größte Veränderung im Leben eines Menschen – auch wenn es auf den ersten Blick nicht so wirkt. Zum ersten Mal verlässt es nämlich den Schutzraum der Familie und geht in eine Institution, in der es dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zur Rente „funktionieren“ wird. Dieser Übergang ist oft kompliziert und herausfordernd. Es gibt aber viele Möglichkeiten, ihn zu erleichtern. Ja – vor allem wir Eltern können hier viel tun.
Bis zum Beginn im Kindergarten hat das Kind seine Zeit vor allem mit Mama, Papa, weiteren Angehörigen und Freundinnen mit gleichaltrigen Kindern verbracht. In der Gruppe ist es plötzlich allein – mit fremden Erzieherinnen und gleichzeitig zusammen mit bis zu 27 weiteren Kindern. Auf einmal warten viele Aufgaben, ein fester Tagesablauf, und auch wenn die Erzieherinnen großartig sind (und das sind sie in den meisten Fällen wirklich), können unangenehme Situationen entstehen, die sich selbst mit bestem Willen nicht immer vermeiden lassen.
Denn 28 Kinder kommen aus 28 Familien mit 28 unterschiedlichen Erziehungsstilen – daraus muss ein sinnvoller gemeinsamer Kompromiss entstehen, sonst könnte keine Kindergartengruppe funktionieren. Gleichzeitig gibt es zwischen den Kindern extreme Unterschiede – sowohl beim Alter als auch bei Fähigkeiten, Intellekt, Wissen, Charakter oder Temperament. Diese Mischung ist oft wild, und perfekt vorbereiten kann man sich nie. Trotzdem können wir als Eltern einiges beeinflussen und unserem Kind den Start erleichtern.
Auch wenn es so wirken könnte, als würden wir mit dem Kindergartenstart in den Augen des Kindes in den Hintergrund rücken – das stimmt nicht. Gerade zu uns hat das Kind die engste Beziehung, und die gilt es weiter zu vertiefen: dem Kind zu versichern, dass es auch im Kindergarten weiterhin geliebt wird, dass wir es mehr mögen als alles andere auf der Welt. In dem Maß, das dein Kind braucht. Bei manchen reicht das einmal pro Woche, bei anderen hundertmal am Tag. Diese Geborgenheit müssen wir aber geben.
Wir bleiben der sichere Hafen, zu dem das Kind immer zurückkehrt. In einer gut funktionierenden Familie ist es genau dieses Sicherheitsgefühl, das am meisten hilft.
Meine Tochter ist im September als Dreijährige in den Kindergarten gestartet. Es war sehr spannend, alles aus einer anderen Perspektive zu beobachten als aus der Rolle einer Lehrkraft. Jetzt schauen wir uns ein paar Prinzipien an, die helfen und funktionieren – unabhängig davon, wie dein Kind ist.
Das klassische Dilemma beginnt schon bei der Auswahl des Kindergartens. Laut Studien ist der häufigste Auswahlfaktor die Entfernung. Meine Frage als Lehrkraft lautet aber: Will ich für mein Kind einen nahen Kindergarten – oder einen guten? Natürlich kann auch der nächstgelegene gut sein, statistisch gesehen eher nicht. Und ja: Wir sprechen hier von Orten, an denen es überhaupt eine Auswahl gibt. Wenn es im Umkreis von zwanzig Kilometern nur einen Kindergarten gibt, ist die Entscheidung klar – egal, was sonst ist.
Der beste Indikator ist wie immer eine Empfehlung. Freundinnen und Freunde, Verwandte, Nachbarn – irgendwer mit echter Erfahrung. Und die lügt nicht. Nie. Wenn dir fünf Menschen unabhängig voneinander sagen, dass ein bestimmter Kindergarten großartig ist, dann ist er sehr, sehr, sehr wahrscheinlich auch großartig.
Meine persönlichen Tipps, die bei der Entscheidung helfen:
Ich persönlich habe immer nur in einem staatlichen Kindergarten gearbeitet – das heißt aber nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen Alternativen oder private Kindergärten hätte.
Bei alternativen Konzepten (z. B. Montessori, Waldorf, Začít spolu) sehe ich aber ein großes Problem: Diese Einrichtungen sind gleichzeitig auch Philosophien. Montessori legt zum Beispiel Wert auf natürliche Materialien – aber ein Kind nur deshalb in einen Montessori-Kindergarten zu geben, weil es gerade modern ist, während zu Hause alles aus Plastik ist, wirkt auf mich wie reine Pose. Genauso müssen auch die Erzieherinnen nicht unbedingt auf diese Philosophie eingestimmt sein.
Bei privaten Kindergärten ist das Problem, dass sie nicht staatlich kontrolliert werden (meist fallen sie nicht in die Zuständigkeit der Tschechischen Schulinspektion), und meine rein privaten Erfahrungen sind so, dass dort Kinder oft nur betreut werden. Ein privater Kindergarten sorgt für eine kleinere Gruppe – aber fragt unbedingt nach dem Bildungskonzept für euer Kind.
Ein Nachteil staatlicher Kindergärten sind wiederum häufig große Kinderzahlen. Wo es Vorteile gibt, gibt es immer auch Nachteile. Es liegt an mir als Elternteil zu entscheiden, welcher Faktor bei der Auswahl der wichtigste ist.
Der Kindergarten ist in erster Linie eine Bildungseinrichtung, keine reine „Aufbewahrung“. Das sollte sich jede und jeder bewusst machen: Will ich, dass mein Kind nur betreut wird – oder will ich, dass es gut gefördert und gebildet wird?
Kinder erleben beim Start in den Kindergarten enormen Stress – das ist logisch. Es ist wie bei uns, wenn wir einen neuen Job anfangen. Den haben wir uns freiwillig ausgesucht, wir wissen, worauf wir uns einlassen, und unsere emotionalen Fähigkeiten sind unbestreitbar weiter entwickelt – und trotzdem kann es für uns ziemlich herausfordernd sein. Es gibt aber Kleinigkeiten, die den Stress deutlich reduzieren können.
Wenn ein Kind sich selbst versorgen kann (Essen, Toilette, Anziehen), ist es nicht auf die Hilfe anderer angewiesen. Das stärkt sein Selbstwertgefühl und seine Autonomie und es gerät seltener in Situationen, in denen es etwas nicht kann, nicht schafft oder auf Hilfe warten muss.
So, dass das Kind sie schafft, selbst anzuziehen und dass sie praktisch ist. Ein Overall ist zwar super bequem, aber beim Pinkeln die Hölle. Schnürsenkel und Fingerhandschuhe sind ebenfalls streng nicht zu empfehlen (siehe vorheriger Abschnitt). Kein großes Styling – Hauptsache praktisch, funktional, und das Kind kann sich in der Kleidung richtig austoben, ohne Angst vor Schimpfen zu haben.
Regelmäßigkeit ist eines der grundlegenden psychologischen Merkmale von Vorschulkindern. Deshalb ist auch der Tagesablauf im Kindergarten jeden Tag ähnlich. Das gibt Sicherheit, weil das Kind weiß, was passiert. Genauso zu Hause – z. B. immer zur gleichen Zeit ins Bett, immer zur gleichen Zeit aufstehen.
Damit eng verbunden sind Rituale (zum Beispiel auch der „Večerníček“ – eine tschechische Abend-Kindersendung). Das sind tägliche Momente, die sich wiederholen und dem Kind Orientierung im Tag geben, weil Zeit für es sehr relativ ist – und es ist etwas, worauf es sich freuen kann. Ich trage meine Tochter zum Beispiel immer nach Hause auf den Schultern, wenn im Kindergarten alles in Ordnung war.
Über den Kindergarten sollte man vor dem Start sprechen und ihn gemeinsam anschauen. Erstellt zum Beispiel einen visuellen Tagesplan: Du kommst an, ziehst dich in der Garderobe um, spielst, es gibt eine Brotzeit, du spielst wieder, ihr geht raus, es gibt Mittagessen und dann gehst du nach Hause. Das Kind vor allem motivieren (aber nicht bestechen), alles beschreiben, erklären, reden.
Schau dir alles an (Garderobe, Gruppenraum, Ausstattung …), jede Einrichtung hat ihre eigene Atmosphäre. Und weil eine Einrichtung aus Menschen besteht: lernt sie kennen. Fragt nicht, ob „gesund gekocht“ wird (in jedem Kindergarten in Tschechien wird gesund gekocht), sondern welche Werte der Kindergarten bei Kindern fördert, worauf sie in der Bildung den Fokus legen. Für Außenstehende schwierig, ich weiß – aber wir wollen hier bewusst in die Tiefe gehen.
Mein Kind ist schon drei Jahre alt, hat keinen Kindergartenplatz bekommen – und das ist „kein Problem“? Das sollte es nicht sein.
Meiner Erfahrung nach stellen sich die Träger nämlich oft „tot“ (aber Achtung: Das kann von Ort zu Ort stark unterschiedlich sein – hier beschreibe ich die Situation in Pilsen/Plzeň) und verlassen sich darauf, dass Eltern nicht informiert sind und ihre Möglichkeiten nicht kennen. Und in der Realität kennen sie sie tatsächlich nicht. Also: siehe Absatz oben – zuerst bei der Leitung anrufen. Wenn es keinen Platz gibt, dann direkt zum Träger.
Und noch etwas Wichtiges: Bei der Aufnahme in den Kindergarten gibt es systemische Koeffizienten, die z. B. für das Alter des Kindes, den Wohnort, Geschwister im Kindergarten usw. vergeben werden – das heißt, die Kindergartenleitung hat auf die Aufnahme praktisch keinen Einfluss. Das System sortiert die aufgenommenen Kinder, fertig. Wenn wir unter der Linie gelandet sind, können wir trotzdem noch nachrücken, weil jemand gar nicht startet, jemand umzieht usw., und mein Kind rückt im System nach oben. Wenn es aber drei Jahre alt ist und Ende August immer noch unter der Linie steht, dann wieder: siehe oben.
In meiner Praxis sind mir Hunderte Kinder „durch die Hände gegangen“ – und ohne Ausnahme hat am Ende jedes den Kindergarten lieben gelernt. Der Anfang kann schwer sein, aber alles ist vorübergehend, und aus „Ich will nicht in den Kindergarten“ wird bald „Ich will nicht aus dem Kindergarten“. Wirklich. Und es kommt viel früher, als du denkst. Aktiviert Geduld, Freundlichkeit und Empathie auf Maximum – und vertraut darauf, dass ihr das gemeinsam mit eurem Kind schafft.
Mgr. Ondřej Koželuh
Er schließt gerade seine Promotion in Allgemeiner Pädagogik ab, unterrichtet an der Westböhmischen Universität in Pilsen (ZČU) angehende Kindergartenpädagoginnen und hat selbst fünf Jahre im Kindergarten unterrichtet. Autor des Buches Učitelem ve školce. Er leitet Bildungsseminare für Eltern und Lehrkräfte.
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